Andere würden sagen, sie hätten eine Schreibblokade, ich sag euch, ich bin so beeindruckt, was gestern passiert ist, dass ich Angst habe, nicht die Worte zu finden, die annähernd das Ausdrücken, was und widerfahren ist… Früh sind wir losgefahren, von unserem Mississippi Stellplatz, der uns ne gute Nacht beschert hat. Schlaf ist immer etwas anders, da wir innerhalb kurzer Zeit, öfter die Zeitzonen wechseln, einfach flexibel bleiben, ist hier die Devise. Wir hatten eine Route von knapp 500 Kilometern rausgesucht, um festzustellen, dass wir trotz Einkauf, schon gegen 14.30 Uhr ankamen. Eigentlich kein Problem, das war allerdings ein Parkplatz zum freistehen, der nun wirklich gar kein Campingverhalten zuließ. Statt kühlem und regnerischen 16 Grad am morgen, hatten wir auf einmal 34 Grad. Kaum Schatten, die Türen nicht aufreißen können, wir sind abgekocht. Kurz überlegt, Taco Bell angesteuert und noch was gegessen. Frisch gestärkt, fuhren wir einfach weiter. Ziel für den nächsten Tag schonmal anvisiert. Das wären nochmal knapp 500 Kilometer. Hatte ich nicht erwähnt, dass ChatGPT sich in einigen Punkten vertan hat, mit seiner Routenplanung? Sei es drum, wir sind tatsächlich noch gute 400 Kilometer gefahren. Diesmal ging es ja ausschließlich über die Interstate und wir haben uns ein höheres Tempo gegönnt. Statt sonst übliche 90-100Km/h, bin ich 120 gefahren. Macht sich ordentlich im Spritverbrauch bemerkbar. Satte 19 Liter, hat sich der Max gegönnt, statt rund 14-15 Liter. Egal, der Euro steht grad gut 😇. Von der Interstate abgefahren, sollte es noch 60 Kilometer über kleinere Straßen gehen, bis zum Ziel. ChatGPT hat uns einen Platz auf einem Hügel versprochen, freistehen erlaubt und eine perfekte Tierbeobachtung inkl. Na, das klingt doch perfekt! Mittlerweile wirklich müde und kein Bock mehr zu fahren, bogen wir in den Badlands Nationalpark ein und waren schwer beeindruckt. Einerseits ähnlich einer Mondlandschaft, die gespickt ist mit riesigen Steinformationen. Erinnert mich teilweise daran, wenn man am Strand gesessen hat und durch die Finger die Matsche gleiten ließ, so dass Türmchen entstehen. Lt. Navi, bzw. den Koordinaten von ChatGPT, sind wir aber nur kurz rein in die Bandlands und kurze Zeit später wieder raus, um weiter auf ner kleinen Landstraße zu fahren. Dann sollte es links ein Feldweg reingehen, der war aber gesperrt, mit dem Hinweis Präriehunde, stark dezimiert und deshalb schützenswert und deshalb kein Durchkommen. Noch beim lesen des Schildes, hatte sich das Navi schon nen neuen Weg ausgedacht. Wenn es vorher noch 12 Kilometer bis zum Ziel waren, sollten wir nun 30 Kilometer fahren. Es war mittlerweile 20.15 Uhr; nach neuer Zeit, für uns eigentlich schon 21.15 Uhr. Fast 14 Stunden im Auto unterwegs, es drohte dunkel zu werden und wir waren müde, aber irgendwie auch euphorisch, durch die beeindruckende Landschaft. Die erste Bison Sichtung trug ein übriges bei, also los, letzter Versuch. Nun muss man wirklich dazu wissen, ein abstellen vom Fahrzeug und dann da drin pennen, einfach irgendwo, haben wir in den von uns bisher bereisten Bundesstaaten noch nicht erlebt, bzw. war auf unserer Route nicht möglich. Man muss schon gucken, wo man sich hinstellen kann, weil irgendwie alles irgendjemanden gehört, oft eingezäunt und noch öfter mit unmissverständlichen Schildern versehen. Aber egal, den Versuch gönnen wir uns noch, irgendwas wird sich schon finden und zur Not haben wir ja auch Scheinwerfer. Hatte ich schon erwähnt, dass auf einer Seite dieser bergigen Mondlandschaft, ständige Blitze zu sehen waren? Vermeintlich weit weg. Außerdem konnte man leider den Sonnenuntergang, der sich bestimmt schön in der felsigen Landschaft gemacht hätte, nicht richtig sehen, weil sich so komische Wolken vorgeschoben hatten. Egal, weiter geht’s und irgendwann haben wir auch eine Einfahrt ins Gelände gefunden, also einen Feldweg und von dort sollten es noch 14 Kilometer sein. Zuerst Schotterpiste, die allerdings schnell zur „Wellblechpiste“ wurde. Also mit Querrillen, so dass der Sprinter und alles was sich in ihm befand, ordentlich durchgeschüttelt wurde. Mit 10-20 Km/h, schlichen wir weiter. Kurz vor dem Ziel kam es wie es kommen musste, Schranke, Privatgrundstück…SCHEISSE! Kurz vorher ging noch ein Weg, ungefähr in die Richtung, wo wir hinmüssen. Stockdunkel mittlerweile, außer den fortwährenden Blitzen, diesen Weg gefahren und nach 2-3 Kilometern, wieder ein Metallgatter, das uns den Weg versperrt. Diesmal aber ohne Schild. Kurz überlegt und gedacht, vielleicht steht das nur hier, um Tiere zu begrenzen, ähnlich wie an der Nordsee, wo man ja auch aufmacht und durch geht und wieder zu macht. Thomas also raus und guckt, ob das zu öffnen geht. Ja, was für ein Glück. Durchgefahren, aber trotz aller Strahler nicht den Weg gefunden, den das Navi anzeigt. Da war nur ein großer Sandplatz. Hm.. Moment, da ist genau gegenüber noch ein Weg steil runter. Den nehmen wir und wenn es da nicht weiter geht, fahren wir einfach zurück und parken auf dem Sandplatz. Also runter, und es war wirklich steil und weicher Sandboden, unten angekommen… war da ein beleuchtetes Häuschen. Oh wei… ein Hund kam angelaufen und freute sich. Wenigstens etwas, aber uns war klar, letztlich sind wir hier eingebrochen. Was tun? Wegfahren und flüchten, aber wohin, der Platz oben gehört ja auch zum Grundstück. Thomas ist ausgestiegen und wollte gucken, ob er jemanden findet und nach dem Weg fragen. Jetzt müsst ihr euch vorstellen, wir sind hier in South Dakota, in der Prärie, im mit Abstand bevölkerungsärmsten Gebiet der USA. Im Indianer Gebiet. Arm, ärmer am ärmsten, Drogen und Alkohol bestimmen das Leben dieser Bevölkerung. Wir eingebrochen in ein fremdes Grundstück und Thomas raus und sucht die Inhaber… in dem Moment bin ich selbst auch schnell aus dem Auto, hat zufällig ein Kleid an, war also auch im dunkeln, als Frau schnell zu erkennen. Mein Hintergedanke war, das wir dadurch nicht bedrohlich wirken und nicht sofort erschossen werden… wahrscheinlich sogar „legal“… Zum Glück hatte der Mann Nerven und fragte, was wir hier wollen. Wir erklären ihm die Situation und man glaubt es kaum, für ihn selbstverständlich, konnten wir nicht weiter fahren, sondern bekamen „Asyl“, auf seinem Hof. Konnten uns den Platz aussuchen, wo wir stehen wollen und wurden danach noch freundlich vor das Haus zum sitzen eingeladen. Ich weiß, das hier einige kurz vor der Arbeit lesen, ich möchte nicht, das ihr zu spät kommt! Deshalb gibt es Teil 2 morgen, von unserer Begegnung(en). Seid sicher, das war noch nicht das Ende des Abends…bis morgen!


