Ein ereignisreicher Tag, obwohl nichts weiter gesehen, auch das ist hier möglich. Unser netter kleiner Stellplatz gestern Abend, hatte eigentlich alles am Platz, Wasser, Strom, Abwasser. Für Toiletten und Dusche war auch gesorgt, ein kleiner Container stand bereit. Ihr wisst ja, da bin ich komisch, für mich also nichts, ungesehen, Thomas hat aber alles genutzt und war soweit zufrieden. War schon schöner, auf unserer Reise, aber alles ok. Ein Problem hatte unser Platz allerdings. In der Einfahrt stand zwar eine Bezahlbox, daneben eine Art Display und hier hätte ich erwartet, kleine Infos zum Stellplatz zu bekommen und Umschläge, wo man Geld reinpackt, um zu bezahlen. Leider waren dort nur Flyer platziert, von anderen Dingen in der Umgebung, aber eben nichts vom Stellplatz. Eine Dame, die dort auch stand meinte, macht nichts, wir können morgen früh bezahlen, da kommt immer einer rum. Alles klar, hatten wir auch schon, eigentlich nichts ungewöhnliches. Tja, bis 10.00 Uhr haben wir noch gewartet, aber es kam niemand und wir hatten ja einiges geplant. Wir wussten aber leider auch nicht, was es gekostet hätte, somit sind wir das erste Mal abgefahren, ohne zu bezahlen. So gar nicht unser Ding, aber was sollten wir machen? Unser Plan war, gegenüber ist eine kleine KFZ Werkstatt, dort wollten wir unseren „neuen, kostenlos ersetzten“ Reifen tauschen, gegen unseren eigentlichen Ersatzreifen, den wir ja an der Hintertür montiert haben. Technisch wahrscheinlich nicht nötig, aber optisch irgendwie schöner. Jetzt fahren wir wieder mit sechs gleichen Reifen und der ersetzte ist jetzt unser Ersatzreifen, falls nochmal was passiert. Wenn wir also einen Termin bekommen würden, war der Plan, während der Montage, ins benachbarte Café zum Frühstück zu gehen. Easy … selbstverständlich, Chefchen ist kurz mit nach draußen gekommen, hat sich das angeguckt und wir haben Zoco mitgenommen und sind ins Café. Wenn wir fertig sind, wäre unser Sprinter auch fertig. Bombastisch! Ich glaube, wir haben in Deutschland uns eigentlich eine gute Community an Werkstatt und Co. aufgebaut, aber schon aus Personalmangel etc. sind wir so einen flexiblen Service einfach nicht gewohnt. Also erstmal frühstücken gehen. Das Café heißt „Drachenfutter“, schon sehr deutsch… Thomas hatte es schon am Vorabend bei der Gassirunde entdeckt. Auch die Speisekarte hatte einige deutsche Spezialitäten. Lustig, in diesem kleinen „Kaff“ betreiben deutsche ein Café, da müssen wir natürlich hin. Und jetzt wird’s kurios. Als ich mich gestern schon bettfertig gemacht habe, gerade hingelegt und den Beamer eingeschaltet, klopft es an der Tür, wo Thomas vorne saß. Aufgemacht und freundlich auf deutsch gefragt worden, seid ihr wirklich aus Deutschland? Ja natürlich… Ausgezogen im Bett, zu neugierig einfach liegen zu bleiben, steh ich auf, zieh mich an und gehe auch nach vorne. Ein Pärchen, sie deutsche, ihr Mann Amerikaner, wohnen in direkter Nachbarschaft und haben auf ihrem Abendspaziergang unseren Sprinter entdeckt. Wie schön… Erst haben wir bei uns draußen gesessen und uns unterhalten, später sind wir noch zu ihrem Haus gegangen und haben dort noch ein wenig gequatscht. Natürlich hab ich recht schnell gefragt, ob sie vielleicht die Besitzerin vom Drachenfutter ist, liegt doch auf der Hand, oder? Weit gefehlt, nein ist sie nicht, sie betreibt ein kleines Airbnb und lebt schon seit Mitte der 80er hier. Wow! Ja, Nix wow, eigentlich möchte sie lieber wieder nach Deutschland… hm, für mich ja gerade eher ein Schlag ins Gesicht. Ist doch auch die USA für mich ein Thema, in Sachen neues Zuhause finden, allerdings eher aussichtslos, auf Grund der Migrationsbestimmungen. Trotzdem interessant, was hier für Gründe genannt worden. Einerseits nachvollziehbar, andererseits auch mit einer gewissen Verherrlichung gegenüber Deutschland. Ja, die Verherrlichung könnte man mir vielleicht auch vorwerfen, in Sachen USA, aber ich verspreche, ich reflektiere hier und sehe nicht alles unkritisch. Genau das hat mir aber am gestrigen Gespräch etwas gefehlt. Ich denke, nicht alles ist schlecht in den USA, aber auch bei weitem nicht alles gut in Deutschland. Vielleicht können wir uns alle darauf einigen 😉 Aber zurück zu heute, angekommen im Café, bin ich erst rein und habe gefragt, ob wir mit Hund willkommen sind. Sind wir, zwar draußen auf der Terrasse, find ich aber super. Mit zwei Speisekarten „bewaffnet“ wieder raus und zum bestellen wieder rein. Irgendwas erzählt mir die nette Dame, aber viel zu schnell 🙈, kein Wort hab ich verstanden, als sie auf einmal fragt, seid ihr deutsche? Glücklich strahle ich und erwidere ebenso auf deutsch, ja 😅. Die Bestellung ging umso einfacher und auch wir kamen schnell ins Gespräch. Seid 28 Jahren hier, „eigentlich komme ich aus der DDR“ 😂wie lange hab ich denn so einen unkomplizierten Satz bzw. Erklärung nicht mehr gehört. Wer sagt denn noch, ich komme aus der DDR? Sehr cool! Aus Mecklenburg auch noch, ach wie schön, ich liebe die Gegend. Letztendlich war sie komplett anders, natürlich besucht sie die Familie in Deutschland regelmäßig, aber sie würde nicht wieder zurück wollen. Ja, es ist hier anstrengend, man muss halt anpacken, aber dafür hat man auch viele Freiheiten, die man anderswo vermisst… Ach wie schön… zwei so kontroverse Meinungen, von zwei deutschen Frauen, die es der Liebe wegen nach Amerika zog. Bei beiden war der „Ursprung“ nicht mehr relevant, also durchaus ähnliche Biografien, aber völlig unterschiedliche Meinungen. Ich liebs… Ok, zurück zum Auto, schon an der Tür wurden wir empfangen, Schlüssel in die Hand gedrückt und gezeigt, der Wagen steht dort… ja, super, vielen Dank, aber wir müssen noch bezahlen? Könnt ihr es euch denken, was wieder passiert ist? Wieder hieß es nichts… Service, gute Fahrt! 🙈🥰 Kurze Anmerkung dazu, wir laufen durchaus gepflegt hier rum, sehen bestimmt nicht ärmlich aus. Ein Normalfall ist das bestimmt auch nicht, also falls ihr mal so eine Reise plant, rechnet bitte nicht damit. Wir wissen von anderen Vanlifern, die viel Geld für diesen Service hier bezahlen. Vielleicht hat es etwas mit unseren Flaggen am Fahrzeug zu tun, nur eine Vermutung. Vorne auf dem Auto steht ja, das wir (Deutschlandflagge) die (USA Flagge) besuchen. Oder es ist unser stets sehr freundliches und interessiertes Auftreten, ohne vorher gleich zu fragen, was kostet das… es kostet, was es eben kostet und das respektieren wir. Sind aber umso dankbarer, wenn hier Leute unsere Reise toll finden und uns dabei ein kleines bisschen, durch ihr Geschick, unterstützen. Die Welt kann manchmal so schön sein… Weniger schön war heute unsere Strecke, die Route 66 ist durch die Interstate 44 ersetzt, es gibt daneben eine Route, die noch so genannt wird, aber mit teils erheblichen Mängeln an der Straße glänzt. Es gibt wenig anzusehen und somit fahren wir meist auf der Interstate. In St. Louis angekommen, wollen wir den „Arch“ besichtigen. Das Tor zum Westen, einen beeindruckenden riesigen Bogen aus Stahl. Von weiten gut erkennbar. Für uns leider nicht möglich, da die Stadt jede Menge Parkhäuser bieten, leider für uns natürlich viel zu niedrig. Normale Parkplätze, Fehlanzeige. Nach dreimaliger Umfahrung, beschließen wir, einen Stellplatz in der Nähe zu suchen. Es regnet auch in Strömen, so dass ein längerer Spaziergang heute keinen Sinn macht. Na, vielleicht morgen. Oder vielleicht geht es auch weiter, wir lassen das Wetter und unsere Lust und Laune entscheiden… bis morgen!




