Creole (6. Strandtag)

Auf der Flucht…. Na, wer hätte es denn gedacht, wir haben es gestern noch geschafft, endlich unser erstes Strandfeuer zu machen. Hatten wir doch so schön unser neues Camp aufgebaut und den Wagen sinnvoll gegen den Wind aufgestellt. So konnte man abends vor dem Sprinter sitzen, nur ein paar Meter davor, die Kuhle, die Thomas zuvor schon gebuddelt hatte. Schnell noch wirklich lecker gekocht, es gab ein lecker T-Bone Steak, schön aufgeschnitten mit einer Nudel. Dazu hat Thomas noch einen leckeren Salat gezaubert. Ja, ein perfektes Camper Essen, stilvoll und echt lecker. Die tägliche Abendrunde mit Zoco noch gemacht. Was ich echt schade finde, die Amis ticken von Bundesstaat zu Bundesstaat wirklich komplett anders. War es in New York nicht nur super Hundefreundlich, sondern sie wussten auch, das Hunde gern zusammen spielen. Hier am Strand von Louisiana, hatte ich mir echt mehr erhofft. Klar, ich war schon glücklich, überhaupt einen Strand gefunden zu haben, wo Hunde erlaubt sind. Aber alle ketten die Hunde an, gehen gefühlt überhaupt nicht mit Ihnen spazieren und erst recht lassen sie sie nicht mit anderen Hunden spielen. Das kann natürlich eine Momentaufnahme sein, aber immerhin waren wir eine Woche vor Ort und der Ablauf war immer der Gleiche… Nun gut, zurück am Sprinter, haben wir dann unser Lagerfeuer in Angriff genommen. So richtig wie man es sich vorstellt, Thomas mit Bier, ich mein Wein in der Hand, angezündet und los ging’s… die Augen brannten, der Wind drehte sich just in dem Moment und von echtem Vergnügen konnte keine Rede mehr sein. Ok, dann nix nachwerfen, sondern husch husch ins Körbchen… Das wir die ganzen letzten Tage jetzt Sturm hatten, berichtete ich ja bereits. Diese Nacht waren nochmals zwei Stunden mit Sturm angekündigt. Ja, auch Wetterberichte irren. Es war die heftigste Nacht (abgesehen von meiner in Kanada). Irgendwann saßen wir, dank eines lauten Knalls, senkrecht im Bett. Entwarnung, war nur ein seitliches Fenster, was zugeknallt war. Ok, weiterschlafen. Um kurz vor halb sechs bin ich dann aufgestanden und mit meinem Kaffee nach draußen gegangen. Scheiße! Irgendwie hatten wir unseren Sprinter scheinbar doch falsch gestellt. Alles stand zwar noch an Ort und Stelle, war aber mit einer fetten und vor allem klebrigen Sandschicht bedeckt. Ich bin ja Morgenmuffel und brauche erst Kaffee und Zigarette um denken oder gar ansprechbar zu sein. Also, ignoriere ich den Zustand, setzte mich regelrecht dort hinein und fange an wach zu werden, um einen Schlachtplan zu entwickeln. Also gut, reingegangen, etwas Wasser und Lappen geholt, mit Handfeger bewaffnet und zumindest Couch, Tisch und Stuhl gereinigt. Danach wieder rein und mich selbst von Kopf bis Fuß, mit dem Waschlappen und kaltem Wasser abgewaschen. Bei den Temperaturen kein Problem, aber ach, wo sind denn meine vermeintlich braunen Beine geblieben 😅. Gut, frisch angezogen und noch den kleinen Rest Abwasch erledigt und… Scheiße, jetzt ist unser Wasser alle. An dieser Stelle sei bemerkt, unser Kanister ist tief verbaut und unsere Wasserstandsanzeige hat, trotz einmal auswechseln, noch nie funktioniert 🙈. Wir gehen also immer nach „Gefühl“ und das hatte mich diesmal echt getäuscht 😇. Für den armen Thomas blieb also maximal Zähneputzen. Auch er war echt genervt, als er aufgestanden ist und die Schäden vom Sandsturm sich anguckte. Ihr müsst euch vorstellen, das Auto war eingezuckert, die Scheiben, auch die Spiegel, waren nicht mehr zum durchgucken. Fahren, war so definitiv nicht möglich. Ich sah einfach nix mehr. Was dieses Salz, Feuchtigkeit und Sandgemisch mit so einem Fahrzeug macht, brauche ich hier wohl nicht zu schreiben. Schnell war klar, ok ohne Wasser, müssen wir hier und heute, die Zelte abbrechen. Gesagt getan, versucht, wenigstens etwas Sand am Strand zu lassen, beim einpacken und um 8.00 Uhr ging es los. Aber wohin? Unser Airbnb ist schließlich erst ab morgen gebucht… Dann erstmal in die grobe Richtung und unterwegs frühstücken. Yey, Crackers Barrel ruft mich 😅. Thomas mag es ab heute so gar nicht mehr, ich liebe es!!! Danach stand dringend Car Wash auf dem Plan, eingegeben auf unserer Route, passte perfekt. Leider hab ich mich dabei total dämlich verletzt 😭 Unsere seitliche Leiter ist oft ein Segen für mich, heute sollte ich hoch und mit dem Hochdruck Reiniger, gleich mal unsere Solarpanele abzuduschen. Na, kein Problem, hoch, Thomas reicht mir die Pistole an und ich drücke drauf… da reißt es mich durch den Druck / Rückschlag, fast von der Leiter 🙈. Ich krall mich fest, kann aber nicht verhindern, zur Seite gedrückt zu werden und schlage hart mit dem Ellenbogen ans Auto. Aua… gar nicht sofort, aber anwinkeln oder anheben mit dem rechten Arm, 😟 Na gut, jetzt noch tanken und vor allem Wasser auffüllen. Einen Stellplatz ohne Versorgung, hatte ich zuvor schon rausgesucht. Ganz in der Nähe zum Airbnb. Versorgung brauchen wir ja nicht, haben wir morgen ja in unserem Häuschen, Wasser ist jedoch Pflicht. Für Stellplatzsuche und anderes nützliche Dinge, verwende ich ja hauptsächlich IOverlander, eine App, ähnlich wie Park4You. Also, auf unserer Route eine Stelle rausgesucht, wo wir Wasser ziehen könnten. Tja, angefahren und da standen wir nun. Ein kleines Häuschen versprach „Pure ICE and Water“. Kostenpflichtig, aber fair. Für 5 Gallonen, sollte es 1,75 $ kosten. 25 (100 Liter) hätten wir gebraucht. Hätten wir auch liebend gern bezahlt, aber leider hätte man wohl einen Eimer oder eben eine 5 Gallonen Tonne drunter stellen müssen, die wir nicht haben 🤪. Falls wer schon in den USA war und weiß, wie es auch anders funktionieren könnte, bitte klärt uns auf! Also weiterfahren. Tanken müssen wir eh und wenn man lieb fragt, darf man oft auch an Tankstellen Wasser tanken, sofern sie einen Hahn draußen verbaut haben. Tja, super nette Tankstelle gefunden, leider hatte sie nur innen einen Wasseranschluss. Ja, das hätten wir in größter Not auch genommen. Hätte aber bedeutet, dass wir bei mittlerweile 32 Grad, ca. zehn mal laufen müssen, um unsere faltbaren Gießkannen zu befüllen und damit dann zu tanken. Das ist nicht der einzige Aufwand, eigentlich müsste ich dazu mal ein Video machen, damit ihr euch das vorstellen könnt. Das Bett muss abgebaut werden, eine Klappe geöffnet, dadrunter lauter Zeugs, was irgendwie weggelegt werden muss um dann an den Tank zu kommen. Dabei ein abkochender Zoco, der eigentlich die ganze Zeit helfen möchte und neben dir die letzte Luft zum atmen nimmt, mit seiner durch die Hitze berechtigten Hechelei. Ne, so geht das nicht. Aber sie hatten einen freundlichen Tipp… die Tankstelle gegenüber, hat einen Wasserhahn hinter dem Haus, leicht versteckt. Ich solle dahin fahren und auf gar keinen Fall sagen, wie viel ich brauche, dann würde mir schon geholfen. „Be Trust“ … alles klar, also rüber. Und sie hatte recht. Freundlich wurde mir der Schlauch gezeigt, der wirklich extrem versteckte Hahn wurde aufgedreht, freundlich wurde ich gefragt, ob er seinen „Truck“ wegfahren sollte, damit ich besser in die Parkbucht komme. Mann, soviel Freundlichkeit um uns letztlich was zu schenken, denn, auch wenn wir was bezahlen wollen, Geld wird in so einem Fall nicht genommen. Dankbar verneinte ich, da komme ich auch so rein, alles abgebaut, so dass wir den Schlauch reinpacken können, Wasser marsch…. und die Quelle versiegte. Schade, aber der Druck hat einfach nich ausgereicht, um das Wasser nach oben in unseren Tank zu pumpen. Also einpacken und weiterfahren. Da wir Zeit haben und nicht auf der „Flucht“ sind, wählen wir den bequemen Weg. Thomas hat uns einen Stellplatz am Highway rausgesucht, ebenso auf der Strecke. Hier gibt es, so verspricht es die Anzeige, alles. Strom, Wasser, Hunde erlaubt, sogar mit Dogpark, für 30 Dollar… na, also, nix wie hin. Nun, wenn ich bis jetzt auf unserem Weg nicht verstanden habe, warum man sich als Camper an eine Straße stellt, um dort zu verweilen, weiß ich jetzt, zumindest für unseren Fall, was dazu führen kann. Aber, ich muss auch sagen, hier angekommen, Stellplatz zugewiesen bekommen in einem Büro, was extrem gut klimatisiert war, dafür aber so eine Baustelle war, das sich das Mädel echt geniert hat, uns überhaupt reinzulassen 😅. Stellplatz 67 oder nehmt, was euch gefällt, war die Anweisung. Bezahlung war nur in bar möglich, ein Schelm, wer Böses dabei denkt 😇. Aufgesucht, mit Zoco den Platz ausgekundschaftet und den ca. 100 m2 „Dogpark“ gefunden. Kurz hingesetzt und überlegt, bleiben wir? Erstmal umparken, direkt neben dem Dogpark ist ein Platz frei und schattig. Dann Wasser tanken und neu überlegen. Mittlerweile war uns selbst das Wasser 30 Dollar wert 😅. Es sind hier alles vermeintlich „gestrandete“, also Menschen, die hier Leben. Jeder hat sein „Häuschen“, eben einen Trailer, oft mit diversen Anbauten. Eine skurrile Gemeinschaft, die dem Leben trotzen. Schon beim umparken, wo eigentlich für mich feststand, hier bleiben wir nicht, bin ich ganz nett auf unser Flaggenensembel angesprochen worden und freundlich begrüßt worden. Auch die direkte „Nachbarschaft“ eine Familie mit drei Kindern, versuchen das Beste, um hier ein würdiges Leben zu haben. Ja, ist das nicht genau das, was wir sehen und erleben wollen? Der Blick hinter die Kulissen? Unsere „Flucht“, ja notwendig, aber jeder Ort bringt uns weitere Abenteuer und das ist genau der Sinn dieser Reise. Bis morgen!


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